Der Turing-Bus - Konzept für 2020

Der Turing-Bus möchte digitale Mündigkeit in den ländlichen Raum bringen. Im Jahr 2018 haben wir dazu mit dem Bus Workshops und Inhalte an Schulen gebracht, im Jahr 2019 laden wir zusätzlich Schulen an Orte des kollaborativen Lernens ein (Offene Werkstätten, Hackspaces, Fablabs). Und nächstes Jahr?

Der Turing-Bus begann als ein mobiles Bildungsprojekt der Gesellschaft für Informatik und der Open Knowledge Foundation Deutschland.

Das Projekt entstand im Wissenschaftsjahr 2018 unter dem Themenschwerpunkt ‘Arbeitswelten der Zukunft’. Auf 13 Stationen haben wir im ersten Jahr über 40 verschiedene Workshop-, Diskussions- und Mitmachformate angeboten, die von mehr als 450 Teilnehmer*innen im Alter von 15-19 Jahren wahrgenommen wurden.

Dabei diskutierten diese die Effekte der Digitalisierung, schraubten an Mikrocontrollern, erstellten digitale Flugblätter und luden Vertreter*innen von Politik und Wirtschaft ein, mitzudiskutieren.

Wir nutzten dabei offene Bildungsmaterialien und entwickelten diese weiter. Wir involvierten, da wo es möglich war, Workshopleiter und Vertreter von kollaborativen Lernorten. Dies geschah aus Gründen der Nachhaltigkeit: diese sogenannten offenen Werkstätten sind auch nach unseren Tourstopps zugänglich.

Auch trafen wir noch einige weiter mobile Bildungsprojekte wie das großartige Fabmobil, die Makerkutsche oder Science on Tour. Getrieben von ähnlichen Idealen entwickeln diese Projekte unterschiedliche Lösungsansätze für das selbe Problem: wie kann man das Wissen um und kritische Perspektiven auf Technologien der Gegenwart in den ländlichen Raum bringen?

Foto: Fabian Wanisch, CC BY 4.0 Turing-Bus

Lokale Strukturen stärken

Bei unseren Exkursionen in den ländlichen Raum, der Heimat für ungefähr die Hälfte der Einwohner Deutschlands ist, haben wir festgestellt, dass es an vielen Orten bereits lokale Einrichtungen gibt, die von extrem engagierten Experten unterschiedlicher Disziplinen der Digitalisierung betrieben werden. Das Problem: in den meisten Fällen werden diese ehrenamtlich getragen und sind deshalb in ihrer Kapazität begrenzt, was nicht bedeuten soll, dass sie nicht in vielen Fällen am absoluten Rand ihrer Kapazitäten arbeiten.

Unsere Arbeit mit diesen Orten des kollaborativen Lernens hat gezeigt, dass sie eine sinnvolle Ergänzung für die in Schulen stattfindende Arbeit ist. Für die SuS ist das Erlebnis, den Klassenraum (und damit auch die dort anässigen rigiden Strukturen) zu verlassen neu und ungewohnt. Abseits von frontalen fremdbestimmten Inhalten können hier innige Beziehungen zu eigenen Prototypen entstehen. Die Blak Box vieler Technologien fängt an sich zu lösen und die Wege für eine kritische Wahrnehmung der immer weiter voranschreitenden Entwicklung digitaler Konsumangebote kann entstehen.

Foto: Leonard Wolf, CC BY 4.0 Turing-Bus

Annahmen


* Orte des kollaborativen Lernens sind die nachhaltigste Form außerschulischer Bildungsangebote.

* Sie ermöglichen selbstbestimmtes Lernen durch offene Strukturen.

* Sie können sinnvolle Ergänzungen zum Unterricht darstellen.

* Sie leiden unter mangelnden Förderungen und Vernetzung.

Beispiele

* Verstehbahnhof Fürstenberg

* Technikschule Lübbenau

* Fablab Cottbus

* Beispiel 3,4,5


Projektidee

Orte des kollaborativen Lernens sind unterschiedlich groß und unterschiedlich gut ausgestattet. In den meisten Fällen sind jedoch Computer, Lötkolben, 3D-Drucker, Mikrocontroller (Arduino) und in manchen Fällen auch Laser/CNC-Fräsen vorhanden. Insbesondere Mikrocontroller sind mit geringen Anschaffungskosten verbunden und die dazu benötigten PCs/Laptops brauchen keine besonders gute Ausstattung, um diese zu bedienen.

Orte des kollaborativen Lernens sind unterschiedlich finanziert. In den meisten Fällen wären sie ohne ehrenamtliches Engagement nicht tragbar und aufgrund anderer Einkommensverpflichtungen können die Betreiber*innen nur begrenzte zeitliche Ressourcen investieren. Insbesondere als Angebot für Einsteiger und weniger privilegierte müssen sie aber kostenfrei für die Nutzer*innen bleiben. Eine Umfrage hat ergeben, dass X Prozent der Betreiber mit einer Basisförderung i.H.v. X % einer Stelle bereit wären, X Stunden pro Woche zu Verfügung zu stehen.

Am Beispiel der Künstlichen Intelligenz lässt sich eine grobe Einschätzung für Workshopparameter ableiten. Generell gilt: umso komplexer die verwendete Hardware, umso stärker sollte der Betreuungsschlüssel sein (ca. ein Betreuer auf max. 10 TN, besser 8, in Zweiergruppen). Bei der Workshopdauer kann man von 1,5 Zeitstunden für Einstiegsformate und 3 Zeitstunden für vertiefende Formate ausgehen. Mit kurzer Einführung, Gruppeneinteilung und Pausen ergibt sich so eine Ablaufdauer von 3,5-4 Zeitstunden (Bspw. von 9-13:00 Uhr).

Dies bedeutet, 8-10 SuS (16-20 bei zwei WSL) könnten pro Tag teilnehmen. Bei einem Stundenanteil von 10h / Woche sind also bei 2 Personen pro Woche 2 Workshops möglich (16-40). Bei einer Förderung über 6 Monate (ca. 24 Wochen) könnten also 24 x 16 = 384, 24 * 40 = 960 TN teilnehmen. Bei 5 geförderten Spaces könnten also ca. 2000 - 5000 TN pro halbes Jahr teilnehmen. Bis zu 10.000 im Jahr bei 5 Spaces, bei 10 dann 20K. Thematische Framings sind möglich und gegebenenfalls auch sehr sinnvoll, um eine klare Linie vorzugeben und auch dafür Sorge zu tragen, dass das Workshopangebot nicht in reinem MINT endet.

25% MINT

25% Informatik und Gesellschaft

25% Politische Bildung / Demokratieförderung

25% Kollaboratives Lernen


Projektablauf:

1. Aufbau Projektfundament (Webseite, Social Media, etc.)

2. Recherche kollaborativer Lernorte mit Vitalitätsparametern (Größe, Ausstattung, Kapazität, etc.)

3. Juryfindung

4. Veröffentlichung Ausschreibung

5. Sichtung Einreichungen (Bewerbungen, Ideenkonzepte für Nutzung diverser Maschinen)

6. Start Förderrunde


Durch das Teilen und Erweitern von bestehenden offenen Bildungsmaterialien entstehen Rahmenbedingungen und Anreize, auch an bisher unterversorgten Orten neue Lernspaces zu eröffnen.

  • 1. Orte des kollaborativen Lernens bewerben sich mit einem Modul (Tagesprogramm) zu einem festgelegten Thema, wie zum Beispiel Künstliche Intelligenz. Dabei müssen sie festlegen, wie viele SuS an diesem Modul teilnehmen können, welcher Altersstand und welche Kompetenzen benötigt sind und welche Ressourcen (Workshopleiter, technische Ausstattung) dazu benötigt werden.
  • 2. Eine Jury aus Experten im Bereich digitaler / zeitgemäßer Bildung sowie offener Werkstätten wählt eine festgelegte Zahl (5-25) dieser Orte aus.
  • 3. Die Orte bekommen eine festgelegte Summe (25.000-50.000 €), um das Modul über 6 Monate hinweg regelmäßig anzubieten.
  • 4. Die Orte müssen als Teil der Vereinbarung das Modul verschriftlichen, damit dieses von anderen genutzt werden kann.

Das Projekt würde in dieser Form mit 10 Orten ca. 750.000 € kosten. Erfahrungsgemäß können an einem Workshoptag mit 2-3 Workshopleitern 20-30 Teilnehmende gut versorgt werden. Somit könnten pro Woche ca. 80-150 TN die Module besuchen.

Foto: Leonard Wolf, CC BY 4.0 Turing-Bus