Mit Constanze Kurz (Chaos Computer Club, Netzpolitik) in Beetzendorf

21. Juni 2018 | Ländliches Gymnasium Beetzendorf, Sachsen-Anhalt | 35 Schülerinnen (15-16 Jahre)

Programm

Auf dieser Station haben wir folgende Module angeboten:

Podiumsdiskussion: „Mündig in den Arbeitswelten der Zukunft“ - Constanze Kurz (Chaos Computer Club, Netzpolitik.org)

„Demokratie in Aktion: Das digitale Flugblatt“ - Andrea Knaut, Kathinka Richter (Gesellschaft für Informatik, Turing-Bus)

Programmieren lernen mit dem micro:bit - Dr. Henry Herper, Dr. Volkmar Hinz (GI, AG Lehramtsausbildung, Uni Magdeburg)

Verfasst von: Andrea Knaut

Bericht

Beetzendorf liegt in einem der am dünnsten besiedelten Landstriche Deutschlands. Umso erfreuter waren wir, dass uns auf dieser Station recht viele Gäste und Unterstützer*innen beehrten. Neben unserem schon fast obligatorischen Flugblatt-Workshop war für die Schülerinnen und Schülern des Informatik-Grundkurses des Gymnasiums diesmal auch ein micro:bit-Workshop im Angebot. Diesen Workshop über den rundum als Lern-Rechner konzipierten Einplatinen-Computer der BBC führten die erfahrenen Informatik-Lehramtsausbilder Henry Herper und Volkmar Hinz der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg durch. Sie zeigten den begeisterten Schülerinnen und Schülern, wie ausgeklügelt der micro:bit und dessen zugehörige Entwicklungsumgebungen und Sprachen Programmierenlernen auf mehreren Abstraktionsebenen und mit unmittelbaren Erfolgserlebnissen ermöglichen. 

Der micro:bit, ist mit der Scratch ähnelnden grafischen Programmiersprache Blocks im Block Editor von Microsoft sowie mit Javascript und MicroPython programmierbar und hat auf dem Board direkt diverse Aktoren und Sensoren wie bspw. LED-Matrix, Taster, Beschleunigungssensor oder Magnetometer integriert. Der Einstieg in die Programmierung ist damit bereits in der Grundschule sehr gut möglich. Doch auch fortgeschrittene und ältere Programmiererinnen und Programmierer können das gerät umfänglich für Bastelprojekte etwa im Internet-of-Things-Bereich benutzen, denn auch dieses Gerät besitzt WiFi und Bluetooth.

„Viele Automatisierungstechniken werden noch immer als ferne Zukunftsmusik wahrgenommen, obwohl sie bereits heute im Einsatz sind und ganze Branchen revolutionieren. Damit aber auch ländliche Regionen davon profitieren, braucht es endlich eine verlässliche Infrastruktur – und Gestaltungswillen.“ (Constanze Kurz)

Haben wir demnächst dank der Digitalisierung »Arbeitsfrei«?, fragten wir uns in der den Tag am Gymnasium Beetzendorf abschließenden Podiumsdiskussion. Die Autorin, Informatikerin und CCC-Sprecherin Constanze Kurz, die 2013 mit Frank Rieger zusammen ein Buch unter diesem Titel veröffentlicht hatte, gab hier zum Einstieg einen Überblick über den in einigen Bereichen wie etwa der Landwirtschaft, der Lieferlogistik oder der Fertigungsindustrie weit fortgeschrittenen Stand der Automatisierung durch Digitaltechnik. Auf etwas anderer Ebene hatten ihr einige Schüler*innen schon auf ihren rundum in der Aula ausliegenden und über die Smartphones erreichbaren Flugblätter zugestimmt: »Hartz 4 und Spaß dabei.« – so sah zumindest eine Gruppe ihre Zukunft der Arbeitswelt scherzhaft provokant auf den Punkt gebracht.  

Nur einzelne sahen sich später etwa als Entwickler*innen oder Informatiklehrer*innen. Unweigerlich kamen auch hier schlechte infrastrukturelle Bedingungen für eine gute Technikausbildung zur Sprache: Der anwesende Verbandsgeschäftsführer des Zweckverbandes Breitband Altmark kam für ihn nicht unerwartet in die Rolle, dem Publikum rechtfertigen zu müssen, warum auch in seiner Region institutionelle Zwänge und vertragliche Probleme ein schnelles Internet behinderten. Henry Herper und Volkmar Hinz thematisierten auch die bildungspolitischen Versäumnisse fehlender, zu spät einsetzender oder zu geringer Informatikausbildung der letzten Dekaden – hier habe es teilweise Rückschritte gegeben. Jenseits der Institutionen gibt es demgegenüber in der Region schon sehr lange eine durch engagierte Hobbyist*innen geprägte freie Computer- und Hackerszene, die schon zu DDR-Zeiten in der Region entstanden war, und für die Constanze Czech aus dem digital Arbeitsgemeinschaft Halle, die auch das private Computer- und Technikmuseum Halle RECHENWERK gestaltet.

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