Offizieller T(o)ur-Start in Bernau

22. Mai 2018 | Paulus-Praetorius-Gymnasium Bernau | 120 Schülerinnen (15-16 Jahre)

Programm

Auf dieser Station haben wir folgende Module angeboten:

„Digitales Haustier“ - Max Voigt (Fablab Cottbus)

„Eine Mess-Station selbst bauen: senseBox:edu“ (Mario Pesch und Umut Tas; senseBox, Uni Münster)

„Demokratie in Aktion: Das digitale Flugblatt“ - Andrea Knaut (Gesellschaft für Informatik, Turing-Bus)

„gewissensbits“ - Stefan Ullrich, Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft)

„Informatik enlightened - ein Einstieg in die Arduino-Programmierung“ (Sven Kallet, Mobiles Schülerlabor “Science on Tour”)

Podiumsdiskussion: „Mündig in den Arbeitswelten der Zukunft“

Verfasst von: Bela Seeger & Andrea Knaut

Bericht

Der Turing-Bus startete offiziell am 22. Mai 2018 am Paulus-Praetorius-Gymnasium in Bernau bei Berlin! Mit dabei waren Vertreter der Bundes- und Regionalpolitik, Arduino- und Raspberry-Pi-Workshops sowie über 120 Schüler*innen, die sich mit Themen rund um die Arbeitswelt der Zukunft beschäftigten. Insgesamt wurden fünf Workshops angeboten. Abschließend gab es ein Podiumsgespräch zum Thema »Mündig in die Arbeitswelten der Zukunft«.

Die Veranstaltung wurde durch ein Impulsreferat von Ina Schieferdecker (Institutsleiterin 
Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft) eröffnet. Darauf folgten die Workshops, in denen die Schüler*innen unter Anleitung mit Mikrocontrollern, Kleinstcomputern und Diskussionstechniken arbeiteten.

In den Workshops lernten die Infonauten und Infonautinnen der Gesellschaft für Informatik, der Open Knowledge Foundation, des Weizenbaum-Instituts, des Science-on-Tour-Projekts der BTU Cottbus-Senftenberg sowie des Projekts Geoinformatik@school der Uni Münster informatisch gut vorgebildete und gut argumentierende Schülerinnen und Schüler kennen. Sie diskutierten etwa im Workshop-Modul „Gewissensbits“ anhand von Fallbeispielen „über drängende Probleme des allzu sorglosen Umgangs mit informationstechnischen Systemen“.

Im Workshop "Demokratie in Aktion: Das digitale Flugblatt" lernten die Schülerinnen und Schüler Grundlagen der Netzwerktechnik und der Webseitengestaltung. Der Workshop ist inspiriert von dem c't-Artikel "In die Freiheit entlassen" von Daniel Cooper. Bei den Inhalten der Flugblätter bieten sich Kooperationen mit anderen Schulfächern an.

In den Workshops »Digitales Haustier«, »Informatik enlightened« und »Eine Mess-Station selbst bauen: senseBox:edu« kamen bewährte Lehrmaterialien rund um die Programmierung und Elektrotechnik des Arduino-Mikrocontrollers zum Einsatz. Diese Workshops schlugen hierbei gute Brücken zu Kunst und den Naturwissenschaften. Der Einsatz der Sensoren und Aktoren ermöglichen die Schaffung kleiner Kunstwerke beziehungsweise die anschauliche Darstellung von Phänomenen aus Optik und Thermodynamik sowie die einfache Erhebung von Umweltdaten. Programmierung lernt man dabei nahezu nebenbei.

Im Anschluss wurde das Projekt offiziell durch Matthias Graf von Kielmansegg (Leiter Abteilung „Grundsatzfragen, Strategie, Digitaler Wandel“, Bundesministerium für Bildung und Forschung), Ingolf Hansch (Schuldirektor), André Stahl (Bürgermeister Bernau), Hannes Federrath (Präsident Gesellschaft für Informatik), Nadine Evers (Geschäftsführerin Open Knowledge Foundation Deutschland) und Matthias Tacke (Dezernent für Öffentliche Ordnung, Bildung und Finanzen Landkreis Barnim, Lernplattform Lernen Barnim) eröffnet.

Politisch spannend wurde es nochmal auf dem öffentlichen Teil. Nachdem der GI-Präsident Prof. Dr. Hannes Federrath die Bedeutung eines grundlegenden Verständnis von Informatik als Basis für eine konstruktiv-kritische Auseinandersetzung mit der Digitalisierung betonte, warb die Geschäftsführerin der Open Knowledge Foundation Deutschland für das demokratische Potential der digitalen Medien und der Möglichkeiten durch Coding Gesellschaft mitgestalten zu können.   

„Mit dem Turing-Bus lernen Jugendliche und junge Erwachsene, wie sie die Arbeitswelten der Zukunft selbst mitgestalten können“, sagte Matthias Graf von Kielmansegg, Leiter der Abteilung „Grundsatzfragen; Strategie; Digitaler Wandel“ im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). „Dabei werden die Arbeitswelten immer aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, von der Informatik über die Ingenieurs- bis zu den Geisteswissenschaften.“

Zur Diskussion geladen waren der Abteilungsleiter „Strategien und Grundsatzfragen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Herr Graf von Kielmansegg, die Gründungsdirektorin des Weizenbaum-Instituts, Prof. Dr. Ina Schieferdecker, eine engagierte Informatikstudentin der HTW, Eva Rupprecht, sowie einige Schülerinnen und Schüler, darunter Pierre Barton und Lisa Förster. Auch viele andere Schülerinnen und Schüler beteiligten sich rege am Fish-Bowl-Format. Im Themenfeld der Arbeitswelten der Zukunft wurde seitens der Studentin angesprochen, dass es nach wie vor wichtig sein muss, sich ausprobieren zu können. Sie selbst habe vor Informatik zunächst Theater- und Filmwissenschaft studiert und sich gerade aus einem nicht stromlinienförmigen Weg heraus nochmal für etwas ganz anderes entschieden: Informatik wurde als Weg, politisch Einfluss nehmen zu können, interessant. Es soll kein Muss sein, das zu machen.

Einige Schüler sprangen hier auf: Mathematik sei doch gar nicht so wichtig, wenn man sich beispielsweise eher für Biologie oder Psychologie interessiere. Der mahnende Zeigefinger der älteren Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer konnte hier nun doch nicht fehlen – Kinder, wenn ihr wüsstet, wieviel Mathe in Psychologie und Biologie steckt. Ebenfalls zur Sprache kam das bereits seit Jahrzehnten bestehende Problem der Schule, ein bezahlbares Angebot für einen preisgünstigen schnellen Internetzugang zu erhalten sowie eine Ausstattung mit digitalen Bildungsmaterialien auf der Höhe der Zeit. Dass hier seitens des Bundesministeriums kein expliziter Verweis auf freie Bildungsangebote und Software kam, sondern eher auf ein Warten auf geeignete und sich tragen müssende kommerzielle Angebote, überraschte. Hier wurde seitens des Vertreters von EduLabs der OKF aus dem Publikum kritisiert, dass der Digitalpakt an diesem Punkt mit dem Aufbau einer OER-förderlichen Infastruktur bereits wegweisender ist.  

In der knappen Diskussionsstunde zeigten sich letztlich all die Spannungsfelder, die den Turing-Bus zu einem so sinnvollen und nicht umsonst sehr nachgefragten Projekt machen: Das Potential digitaler Medien und der Vernetzung kann den ländlichen Raum auch für junge Menschen wieder zu einem langfristig attraktiven Arbeits- und Lebensort machen, der vielleicht eine ganze neue Weltoffenheit zeigt. Doch dann müssen mindestens die strukturellen Bedingungen für engagierte Eigeninitiative vorhanden sein. Wir schauen uns das auf den kommenden Stationen mal genauer an und werden weiter berichten.  

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