Girls’ Day mit dem Fablab Cottbus und „Mädchen in Aktion“

26. April 2018 | BTU Cottbus-Senftenberg, Brandenburg | 11 Schülerinnen (15-16 Jahre)

Programm

Auf dieser Station haben wir folgende Module angeboten:

„Digitales Haustier“ - Max Voigt (Fablab Cottbus)

„Demokratie in Aktion: Das digitale Flugblatt“ - Andrea Knaut, Kathinka Richter (Gesellschaft für Informatik, Turing-Bus)

Podiumsdiskussion mit dem Thema: Keine Probleme mehr für Mädchen und Frauen in der IT-Arbeitswelt von morgen? (Gesellschaft für Informatik)

Verfasst von: Bela Seeger & Andrea Knaut

Bericht

1950 veröffentlichte Alan Turing einen Aufsatz, in dem er Geschlecht und die Fähigkeit zu denken als imitierbare Eigenschaften beschrieb. Berühmt geworden sind diese Gedankenspiele als Imitation Game beziehungsweise Turing Test. Es war uns also im Sinne Turings am Girls’Day, dem bundesweiten Mädchen-Zukunftstag, ein wichtiges Anliegen, noch vor dem offiziellen Tourstart weiter an den üblichen Geschlechterklischees zu rütteln. Schließlich lassen sich Jungs als Nerds leicht imitieren und denkende Maschinen werden überschätzt.

So fuhr unser Turing-Bus zum Girls’ Day an die BTU Cottbus-Senftenberg. Besonders hierbei: an der BTU Cottbus befindet sich das Fablab Cottbus, eine Mitmachwerkstatt, in der Interessierte gegen einen geringen Betrag mit modernen Produktionstechniken wie z.B. 3D-Druckern und CNC-Fräsen sowie einer Lötstation und Holzwerkstatt an eigenen Projekten arbeiten können. Maximilian Voigt, Mitbegründer des Fablabs, erklärte sich bereit einen der beiden vom Turing-Bus angebotenen Workshops im Fablab zu halten, bei dem die Teilnehmenden mit dem Arduino-Mikro-Controller ein digitales Haustier bauen konnten. Dieses bestand aus LEDs, Kabeln, einer Platine, einem Lichtsensor und einem selbstgebauten Papiergehäuse. 

Außerdem wurde der Turing-Bus-Workshop „Das digitale Flugblatt“ von Andrea Knaut und Kathinka Richter vom Turing-Bus-Team angeboten – nach München das erste Mal mit Schülerinnen einer neunten Klasse, die wenig oder keine Vorkenntnisse in Informatik besaßen. Die Mädchen konfigurierten mit unserer Unterstützung (und nicht ganz geringfügigen Vorkonfigurationen) die Raspberry-Pi-Zero-Kleincomputer als WLAN-Hotspots. Danach gestalteten sie erfolgreich die Flugblätter, die durch die Hotspots in Form von Webseiten ausgeliefert werden. Unterstützt wurden wir in den Workshops mit Laptops vom Mobilen Schülerlabor der BTU Cottbus-Senftenberg.

„Wäre mir die Relevanz von Technik für die Berufswelt klar gewesen und hätte ich gewusst, wie viel Spaß man damit haben kann, hätte ich Informatik als Wahlflichtfach gewählt.“ (Teilnehmerin des Flugblatt-Workshops)

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit dem Thema „Keine Probleme mehr für Mädchen und Frauen in der IT-Arbeitswelt von morgen?“ lernten wir die Medienarbeit der Mädchen und Frauen des Cottbusser Mädchentreffs Mädchen in Aktion (MiA) kennen. Die Literatur- und Erziehungswissenschaftlerin Marlen Berg, die Sozialarbeiterin Franziska Reifenstein und Kim März von den Cyberangels stellten hier verschiedene spannende Teile ihrer Arbeit vor. Im Jahr 2017 hatten einige Mädchen bei MiA beispielsweise eine Redaktion gegründet. Sie hatten Lust, selbst Videos zu drehen, zu schneiden und zu veröffentlichen und sich auf diese Weise mit Sozialen Netzwerken wie YouTube, Instagram oder Facebook auseinanderzusetzen. Die Mädchenredaktion verfasst Blogbeiträge und erstellt DIY- und verschiedene Kurz-Clips zu den Upcycling- und anderen Projekten des Treffs. Kim März erzählte, mit wie viel Spaß sie sich durch das Projekt in Film-Postproduktionssoftware einarbeiten konnte.

In der weiteren Diskussion war Thema, wie der Zugang zu MINT-Berufen für Mädchen und Frauen noch besser werden kann und welche Probleme es nach wie vor mit einer wirklichen Gleichberechtigung gibt. Die Schülerinnen aus Guben sagten, dass sie Informatik nicht abgewählt hätten, wäre ihnen etwas wie der Turing-Bus in einer früheren Phase ihrer Schulzeit begegnet. Sie erzählten außerdem, dass ihnen Guben kaum eine Zukunftsperspektive biete, wogegen eine Ausbildung oder ein Studium in Cottbus oder einer noch größeren Stadt durchaus attraktiv seien.

Kultur- und Bildungsangebote wie ein Turing-Bus, ein Fablab oder ein Mädchentreff sind rar in Kleinstädten oder Dörfern. Dass junge Menschen diese Orte verlassen wollen, ist daher nicht allzu ungewöhnlich. Wie viele Turing-Busse, Jugendclubs, Hackerspaces, neue Leute und Strukturmaßnahmen braucht es, um den ländlichen Raum lebenswerter und sozial offener zu gestalten?

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