Magische Informatik & Informatik Enlightened

27. Juni 2018 | Regelschule Pfiffelbach (Thüringen) | 16 Schülerinnen (15-16 Jahre)

Auf dieser Station haben wir folgende Module angeboten:

„Magische Informatik“ - Stefan Ullrich (Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft), Andrea Knaut (GI, Turing-Bus)

„Informatik enlightened - ein Einstieg in die Arduino-Programmierung“ (Sven Kallet, Mobiles Schülerlabor “Science on Tour”)

Verfasst von: Stefan Ullrich

Bericht

Der Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke formulierte sehr prägnant: „Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“ In diesem Sinne ist auch der Titel »Magische Informatik« zu verstehen. Seit einigen Jahren gibt es hierfür spannende Unterrichtsmaterialien von Peter McOwan und Paul Curzon des Computer Science Department der University of London, und in Deutschland hat sich insbesondere der Wissenschaftler und Informatiklehrer Ulrich Kiesmüller um die Verbreitung des Konzepts bemüht. Wir haben die Idee aufgenommen und wollen fundamentale mathematische Prinzipien der Informatik mit Hilfe von magischen Tricks vermitteln. Denken Sie sich doch einmal eine Zahl zwischen 2 und 8. Multiplizieren Sie sie mit 9. Bilden Sie die Quersumme (also addieren Sie die einzelnen Ziffern). Die Quersumme ist trommelwirbel die 9.

Mit Hilfe von Kartenmagie kann man beeindruckendere Effekte erzielen, die aber allesamt auf mathematischen Eigenschaften beruhen. Diese Tricks kommen auch im Computer zur Anwendung, etwa bei Sortierverfahren, wenn das gesuchte Element »magisch« genau in der Mitte liegt. Die Schüler*innen lernen dabei ebenfalls, was ein Algorithmus ist und was er kann – und was eben nicht.

Wir begannen den Workshop jedoch anders, wir holten die Schüler*innen in ihrer digitalen Lebenswelt ab. Wir haben die Wände des Klassenzimmers mit den Namen großer Online-Dienste beschriftet und die Schüler*innen gebeten, sich unter den Dienst zu stellen, den sie am häufigsten nutzen, den ihre Freunde am häufigsten nutzen, den ihre Eltern am häufigsten nutzen und den Dienst, für den sie sogar bereit wären, etwas zu zahlen, um ihn benutzen zu können.

Dabei hat sich gezeigt, dass wir Workshopleiter*innen für die Jugendlichen wesentliche Dienste vergessen hatten. Diese wurden handschriftlich nachgetragen, was uns daran erinnerte, wie schnell sich die Präferenzen der Nutzer*innen in wenigen Jahren doch ändern.

Die Frage mit der Bereitschaft, für die Dienste zu zahlen, zielte natürlich auf die Frage ab, wer denn da eigentlich für die Nutzer*innen zahlt, denn es entstehen ja Betriebskosten. Es geht natürlich um einen neuen Markt mit einer neuen Währung: Daten. Das Modewort Big Data ist zwar inzwischen abgelöst von anderen Modeworten, aber der Datenhunger ist noch da. Um diese Daten beherrschen zu können, müssen Computersysteme in der Lage sein, effiziente Suchanfragen beantworten zu können. Hier setzten wir mit den Kartentricks ein und zeigten, wie eine Identifizierung auch mit verdeckten Karten stattfindet, nur mit Hilfe von Sortierung und bestimmten Suchalgorithmen.

Dafür, dass wir die Tricks am Tag zuvor auf dem Pfiffelbacher Markt bei Flammkuchen und Bier das erste Mal einstudiert haben, gelang uns die Station ganz gut. Die Schüler*innen merkten nur kritisch an, dass unsere Schauspielkünste etwas ausbaufähig seien. Für die Bühne reicht es also nicht ganz, aber für das Klassenzimmer eignete sich die Magische Informatik durchaus, auch ohne Computer sinnvoll über Computer zu sprechen.

„Informatik Enlightened“

Auch in Pfiffelbach war Sven Kallet wieder mit dabei, diesmal verstärkt von den Infonaut*innen Andrea Knaut und Stefan Ullrich, die diesen Workshop zuvor noch nicht durchgeführt hatten.

Zum Enlightenment, also zur Aufklärung gehört in erster Linie Mut. Habe Mut zu wissen! Die Schüler*innen waren von dem offenen Konzept des Workshops erstaunt. Es gibt zwar eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung, jedoch steht dort nicht, wie viel Zeit sie für welche Phase des Workshops aufwenden sollen. »Wenn ich mir die Pausen selbst einteilen kann, mach ich drei Stunden Pause«, sagte eine Schüler*in mit Augenzwinkern. Auf die Entgegnung »Ja, mach doch« war *sie nicht gefasst. Tatsächlich machten alle Workshopteilnehmer*innen nur eine große Pause und teilten sich die Zeit sehr sorgfältig ein.

Der Betreuungsschlüssel war sehr gut, wir waren zu dritt mit 16 Schüler*innen im Raum und konnten auf alle Fragen eingehen.

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